Affenpockenausbruch in der Gruppe MSM

Anfang Mai wurden in Großbritannien erste Fälle von Affenpocken registriert. Das ungewöhnliche an diesen Fällen war, dass sich die infizierten Personen in den Tagen und Wochen zuvor nicht in den Gebieten aufgehalten hatten, wo die Krankheit normalerweise endemisch verbreitet ist. Kurze Zeit später wurden auch aus Spanien und Portugal erste Fälle gemeldet.

Kontaktnachtverfolgungen zeigten dann erste Gemeinsamkeiten bei allen beobachteten Fällen: Bei den infizierten Personen handelt es sich überwiegend um Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Viele der ersten verzeichneten Fälle dieses aktuellen Ausbruchs hatten im Mai das Darklands-Festival in Antwerpen, den Maspalomas Pride auf Gran Canaria und/oder eine Gay Sauna in Madrid besucht.

In den folgenden Wochen breitete sich das Infektionsgeschehen auf immer mehr Länder in Europa aber auch Teilen von Nordamerika aus. So sind mit Stand von Ende Juni 2022 weltweit über 4500 Fälle registriert, der Ausbruch hat damit die Anzahl der Infektionen in den afrikanischen Ländern deutlich überholt. Die Länder mit den meisten Infektionen teilen sich dabei wie folgt auf:

Hinweis zu den Zahlen: Im Vereinigten Königreich ist der Großraum London ein Hotspot, hier wurden über 80% aller Infektionen registriert. Auf Deutschland bezogen ist der Großraum Berlin mit rund 66% aller Infektionen ein Hotspot.

Die häufigsten Fragen und Antworten zu Affenpocken

An dieser Stelle haben wir die häufigsten Fragen und Antworten zu Affenpocken aufbereitet. Der Grundstock dieser FAQ ging am 6. Juni online. Neue hinzugekommene Fragen sind entsprechend mit einem Datum gekennzeichnet, ebenso die Fragen, wo der der Sachverhalt angepasst wurde, wenn es neue Erkenntnisse oder Forschungsergebnisse geben sollte. Eine weitergehende FAQ hat auch das RKI online gestellt.



Impfung gegen MPX ("Affenpocken")

Die gute Nachricht: Es gibt einen gut verträglichen Impfstoff gegen MPX ("Affenpocken"). Die schlechte Nachricht: Es ist im Moment (Juni/Juli 2022) in Deutschland nicht genug vom Impfstoff vorhanden, um gezielt allen MSM ein Impfangebot zu unterbreiten, obwohl die Impfbereitschaft in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch ist. So wurden im ersten Schritt durch das Bundesministerium für Gesundheit lediglich 40.000 Impfdosen bestellt. Da für einen vollständigen Impfschutz zwei Impfdosen notwendig sind, reicht die bestellte Menge gerade mal für 20.000 Personen aus. Berlin hat aus der dieser ersten Charge 8000 Impfdosen erhalten, Köln z.B. 7300 Impfdosen. Bremen gerade einmal 200. Ab der zweiten Julihälfte soll ein weiteres Kontingent von 200.000 Impfdosen eintreffen und auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden.

Hier die wichtigsten Fakten zum Impfstoff in Kurzform:

Die Impfung ist ab 18 Jahren freigegeben. Die Verabreichung des Impfstoffes erfolgt (wie bei Corona) über eine Spritze. Der Impfstoff ist auch für HIV-positive Menschen (unter Behandlung) gut geeignet und verträglich.

Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Dosen im Abstand von (mindestens) 28 Tagen erforderlich. 14 Tage nach der zweiten Impfdose ist der Impfschutz vollständig. Impfdurchbrüche sind selten, können aber wie bei jeder Impfung natürlich vorkommen. Wer in der Kindheit gegen Pocken geimpft wurde, braucht nur eine Impfdosis. Immungeschwächten Personen werden hier ggf. aber auch zwei Impfdosen empfohlen.

Es wird der Impfstoff Imvanex verabreicht. In mehreren Studien wurde sowohl die Wirksamkeit gegen Affenpocken als auch die Sicherheit überprüft. Häufigste Reaktionen an der Einstichstelle (in absteigender Reihenfolge der Häufigkeit): Schmerzen an der Einstichstelle, Rötung, Schwellung und Juckreiz. Die allgemeine Impfreaktion des Körpers kann sich wie folgt äußern (in absteigender Reihenfolge der Häufigkeit): Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Übelkeit. Die Symptome dauerten im Schnitt zwischen 1 bis 6 Tage an und waren sowohl nach der ersten Impfung als auch der zweiten Impfung gleich häufig.

Kann ich jetzt direkt zum Arzt gehen und mich impfen lassen?

Leider nein! Da der Impfstoff noch nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, hat die STIKO folgende Empfehlung veröffentlicht:

"Priorisierung: Ist der Impfstoff nur eingeschränkt verfügbar, wovon derzeit auszugehen ist, sollte die PEP prioritär exponierten Kontaktpersonen angeboten werden. Darüber hinaus sollten sowohl bei der PEP als auch bei der Indikationsimpfung Personen mit einer erhöhten Gefahr für einen schweren Verlauf (z. B. Personen mit Immundefizienz) bevorzugt geimpft werden."

Übersetzt bedeutet dass, dass in erster Linie den Personen ein Impfangebot gemacht werden soll, die (möglicherweise) Kontakt zu einer Person hatten, die mit Affenpocken infiziert ist. Diese sogenannte PEP ist bis zu 14 Tagen nach dem Risikokontakt möglich, aber je früher desto besser. Je nach erfolgtem Zeitfenster können die Symptome einer Infektion so gelindert, manchmal der Ausbruch sogar ganz verhindert werden.

Ein generelles Impfangebot an alle MSM ist wegen der Knappheit des Impfstoffes zur Anfangszeit nicht vorgesehen, hier empfiehlt die STIKO erstmal die MSM- Personen zu impfen, die u.a. ein geschwächtes Immunsystem haben. Die Vorgaben der STIKO sind aber nicht in Stein gemeißelt, gut möglich dass es in Infektions-Hotspots wie Berlin (macht zur Zeit 66% aller DE-Infektionen aus) abweichende Regelungen geben wird.

Die Impfung bzw. die Verabreichung des Impfstoffes ist auch an bestimmte logistischen Vorgaben geknüpft: Der Impfstoff muss u.a. bei -20 Grad gelagert werden. Das Aufziehen der Spritze ist an teils komplizierten Vorgaben verknüpft, weswegen eine einfache schnelle Impfung beim Hausarzt wohl nicht möglich sein wird.

Aktueller Hinweis: In Berlin sollen der Impfstoff ab Anfang Juli verfügbar sein. Eine Voranmeldung für die Terminbuchung ist z.B. bereits jetzt beim Praxisteam Friedrichshain möglich. Sobald weitere Informationen bzw. Impfangebote vorliegen, werden wir diese hier einpflegen.

Bildbeispiele von Affenpocken

Wir möchten an dieser Stelle mit ein paar Beispielbildern zeigen, wie sich die Pocken und Pusteln bemerkbar machen bzw. welches Aussehen sie haben. Die Bilder wurden uns u.a. von PrEP-Nutzern zur Verfügung gestellt, die sich mit dem Affenpockenvirus infiziert hatten. Die Bilder zeigen die Affenpocken in verschiedenen Intensitäten. Einige haben nur einzelne Pocken, bei anderen können diese in Clustern auftreten.

Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass es sich um sensibles Bildmaterial handelt. Die Bilder zeigen explizit die mit Affenpocken einhergehenden Hautveränderungen auch im Genitalbereich. Wer solche Bilder generell nicht verträgt oder anschauen mag, sollte vorsichtig runterscrollen. In öffentlichen Bereichen (U-Bahn, Bus, etc) sollte man darauf achten, dass andere nicht mit aufs Display schauen können. Nach den Bildern folgt kein Text mehr.




Beispiel #1: Zwei Affenpocken am Anus.
Die linke Pocke ist bereits aufgeplatzt, die rechte Pocke im Bild links oben enthält noch Flüssigkeit. In den folgenden Bildern heilen beide Pocken langsam ab. Sowohl die Flüssigkeit als auch die Hautschuppen bzw. der Schorf von den Pusteln enthalten das Virus und sind somit ansteckend.


Beispiel #2: Pocke am Finger

Diese Bildfolge zeigen die Entwicklungsstadien einer Affenpocke am Finger. In der oberen Reihe ist die Pocke noch mit Flüssigkeit gefüllt, in den unteren Bildreihe beginnt der Heilungsprozess. Die Ansteckungsgefahr ist erst vorüber, wenn die Pocke vollständig abgeheilt ist, was je nach Größe zwei bis vier Wochen dauern kann.


Beispiel #3: Pocke am Daumen
Diese Bilder zeigen eine einzelne Pocke am Daumen. Auf dem letzten Bild ist sie kurz vorm aufgehen.


Beispiel #4: Diverser Befall am Körper
Diese Bilderserie stammt von einem Twitter-User. Das Bild links oben zeigt eine Affenpocke am Penis, rechts daneben das Bild zeigt eine Pocke am Oberarm. Eine Reihe weiter unten eine Pustel an der Unterlippe, rechts daneben in der Handinnenfläche. Das Bild darunter sowie das große Bild rechts zeigen einen größeren Cluster oberhalb der Peniswurzel bzw. am oberen Hodensackl.



Beispiel #5: Pocken am Hoden & Penis
Twitter-Nutzer mundpropaganda3 hat uns diese Bilder zur Verfügung gestellt, die Pocken am Penis, Hodensack sowie am Übergang von Penis zum Hodensack zeigen. Das letzte Bild zeigt eine einzelne Pustel am Arm.


Beispiel #6: Diverser Befall am Körper
Diese Bilder stammen vom UKHSA (UK Health Security Agency) und zeigen verkrustete Affenpocken oberhalb des Penis, unterhalb der Unterlippe sowie direkt auf der Lippe und auf der Handfläche. Die verkrusteten Hautpartikel bzw. der Schorf ist ansteckend.